Vorhaben praxistauglich gestalten

Die Modernisierungsagenda des Bundes gibt vor, neue Regelungen von Anfang an praxistauglich und bürokratiearm zu gestalten. Das Zentrum für Legistik unterstützt Sie dabei.

Was ist Praxistauglichkeit?

Praxistauglichkeit lebt vom direkten Austausch mit der Umsetzung.Gemeinsam werden mit ihnen Hürden und Lösungen identifiziert. So kann eine Regelung von Beginn an effizient gestaltet und aufwandsarm umgesetzt werden. Im Ergebnis wird damit unnötige Bürokratie verhindert.

Praxistauglichkeit fokussiert die frühe Phase der Gesetzgebung, d.h. den Erarbeitungszeitraum vor Erstellung des Regelungstextes.

Drei Personen stehen an einem Poster einer Nutzendenreise und besprechen sich

Wie setzen Sie Praxistauglichkeit um?

Praxistauglichkeit kann auf verschiedene Weise sichergestellt werden. Diese Eigenschaften liegen Praxistauglichkeit zugrunde:

  • Beteiligungsrunde im Präsenzformat organisieren:

    Ermöglichen Sie direkten Austausch zwischen Akteuren, denn das ist die Grundlage für Praxistauglichkeit. Anders als bei Befragungen sprechen alle Beteiligten unmittelbar miteinander. Wechselwirkungen werden somit sofort offensichtlich.

  • Unternehmens- und Behördenmitarbeitende einladen:

    Laden Sie betroffene Akteure aus Unternehmen und aus dem Vollzug zu Ihrem Format ein. Durch Berücksichtigung verschiedener Perspektiven vermeiden Sie Silo-Denken.

  • Gemeinsam Probleme, Hürden, oder Verbesserungspotentiale identifizieren:

    Gehen Sie Schritt für Schritt durch die Visualisierung eines Prozesses oder einer Regelung. Dadurch identifizieren Sie Hürden und Potenziale. Die Erkenntnisse aus der Praxis und dem Alltag unterstützen den Erkenntnisgewinn und fließen direkt in die Regelung ein.

Mehrere Teilnehmende sitzen in einem Raum und hören einem Vortragenden zu

Praxistauglichkeit lebt vom direkten Austausch von Akteuren im Präsenzformat

Hilfreiche Tipps

  • Unterstützung organisieren: Hilfreich sind Kooperationen mit Verbänden, Kammern oder Bundesländern. Diese können z. B.
  • Input und Feedback zur inhaltlichen Vorbereitung liefern,
  • Praktikerinnen und Praktiker aus ihren Mitgliedsunternehmen und Vollzugsbehörden für die Workshops akquirieren und
  • bei der Organisation unterstützen (z. B. Einladungen, Räumlichkeiten und Verpflegung).
  • Verbände mit Bedacht einbeziehen: Verbände sind wichtige Vermittler von Expertise, können den Austausch mit der Praxis aber nicht ersetzen
  • Direkten Austausch sicherstellen: Wenn möglich, sollte vorrangig die Arbeitsebene eingeladen werden, damit die Teilnehmenden offen sprechen können.
  • Teilnehmendenanzahl eingrenzen: Laden Sie zwischen 20 bis max. 25 Teilnehmende ein.

Was ist der Unterschied zum Ex-post-Praxischeck?

Ex-post-Praxischecks untersuchen nachträglich die Praxistauglichkeit bestehender Regelungen und deren Vollzug. Genau wie bei der Praxistauglichkeit steht auch hier der direkte Dialog mit Beschäftigten aus Unternehmen und Behörden im Zentrum.

Bei Ex-post-Praxischecks werden ganze Prozesse aus Sicht der Betroffenen analysiert, wodurch Probleme im Zusammenspiel verschiedener Gesetze sichtbar werden. Dabei werden alle Akteure von der EU über Bund und Länder bis hin zu Kammern einbezogen.

Weitere passende Methoden

Fokusgruppen
Methode

Fokusgruppen

Bei moderierten Gruppendiskussionen von 5 bis 10 Teilnehmenden können Einstellungen, Überzeugungen und Erfahrungen mit einem Produkt oder Konzept befragt werden.

Quelle: Zentrum für Legistik

Interviewleitfaden mit Akteuren
LeitfadenMethode

Interviewleitfaden mit Akteuren

Erkenntnisse aus der Umsetzung und der direkte Einbezug der Betroffenen verbessern die Wirksamkeit Ihres Vorhaben. Aber wie gelangen Sie an die Erkenntnisse? Und wie gelingt der Transfer in die Regelung? Dieser Leitfaden unterstützt Sie beim praktischen Vorgehen.

Quelle: Digitalcheck

Beispiele für Praxistauglichkeit

So wurde Praxistauglichkeit von verschiedenen Ressorts sichergestellt.

Fokusgruppe: eLogistikdokumente (BMJV)
Thema:
  • Ermittlung von Möglichkeiten zur technischen Umsetzung und rechtssicheren Operationalisierung elektronischer Logistikdokumente.
Vorgehen:
  • In einer Online-Gruppendiskussion erprobten fünf Fachkräfte aus Entwicklung, Recht, Logistik und Forschung ein neues Konzept. Die Basis bildete ein strukturierter Leitfaden mit klaren Fragestellungen zu verschiedenen Textvarianten. Ein digitales Whiteboard hielt die Ergebnisse in Echtzeit fest.
Ergebnisse:
  • Die Fokusgruppe validierte die Konzeptannahmen effizienter als Einzelgespräche. Durch den direkten Austausch rückten Recht und Alltagspraxis näher zusammen, woraus konkrete Handlungsempfehlungen abgeleitet wurden. Das Format stieß bei den Teilnehmenden auf sehr positive Resonanz. digitales Whiteboard hielt die Ergebnisse in Echtzeit fest.
Teilnehmende:
  • Open-Source-Entwickler (Logistik), juristischer Product Owner, eCMR-Implementierer (zwei Frachtunternehmen), angewandte Forschung (Fraunhofer IML).
Workshop: Familienpflegezeit (BMBFSFJ)
Thema:
  • Zusammenführung von Pflegezeit- und Familienpflegezeitgesetz zur besseren Vereinbarkeit von Pflege und Beruf.
Vorgehen:
  • In einem interaktiven Workshop wurden zuvor identifizierte Problemfelder (z. B. geringe Inanspruchnahme) adressiert. Mittels eines dreistufigen, stillen Brainstormings (Post-Its) generierten die Teilnehmenden Ideen zur proaktiven Zielgruppenansprache und flexibleren Gestaltung. Um alle Interessen zu beleuchten, wurden die Fragestellungen aus vier Perspektiven (Arbeitgebende, Pflege, Gesetzgeber, Arbeitnehmende) betrachtet.
Ergebnisse:
  • Es entstanden ein gemeinsames Problemverständnis sowie erste Gelingensbedingungen für künftige Regelungsoptionen. Zudem wurden konkrete Ideen für die Ansprache der Zielgruppen und Potenziale zur Flexibilisierung der Rechtsgrundlage ermittelt.
Teilnehmende:
  • Interessenvertreterinnen und -vertreter von Arbeitnehmenden und Pflegenden.
Interviews: Dokumentations- und Meldepflichten (BMLEH)
Thema:
  • Vereinfachung und Reduktion der Melde- und Dokumentationspflichten in der Tierhaltung.
Vorgehen:
  • Zur Überprüfung bestehender Arbeitsthesen wurden zielgruppenspezifische Leitfäden für verschiedene Betriebs- und Tierarten entwickelt. Die Kontaktaufnahme zu den Betrieben erfolgte direkt über das Fachreferat. Innerhalb von zwei Wochen wurden die Interviews durchgeführt und direkt ausgewertet.
Ergebnisse:
  • Die Befragungen lieferten sieben konkrete Handlungsfelder für die weitere Regelungsarbeit. Durch die direkte Einbindung der Betroffenen konnten besonders praxisnahe und bedürfnisorientierte Lösungswege eröffnet werden.
Teilnehmende:
  • Drei landwirtschaftliche Betriebe (je einer für Rind, Schwein und Geflügel).
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